Zeitung für die Landeshauptstadt - Donnerstag, 10.09.2015
Behinderte bekommen neues Heim
Diakoniewerk Neues Ufer will ehemaliges Hotel in Leezen umbauen – mehr als 30 Menschen mit Handicap erhalten modernes Zuhause
Leezen

Vor knapp sechs Jahren gingen für „Kochs Hotel“ in Leezen die Lichter aus. Nun sollen sie wieder angeknipst werden. Das Diakoniewerk Neues Ufer will aus dem markanten Gebäude am Ortseingang ein Wohnhaus für Menschen mit Behinderung machen. „Zwischen 30 und 35 Personen werden hier ein modernes Zuhause erhalten“, blickt Thomas Tweer in die Zukunft. Auf den Zeitpunkt dafür will sich der Geschäftsführer des Diakoniewerks noch nicht festlegen. Denn das Gebäude muss zuvor nicht nur grundlegend erneuert, sondern komplett umgebaut werden. Die Kosten dafür schätzt Tweer auf 2  bis 2,5 Millionen Euro. Doch die Grundsatzentscheidung ist gefallen: Der Aufsichtsrat des Diakoniewerks gab jetzt seine Zustimmung.

Das Diakoniewerk ist bislang in Leezen mit dem Rosenhof präsent. Das ist ein Gebäudekomplex mit altersgerechten Wohnungen im Wohnviertel gleich gegenüber vom künftigen Heim. Leezen als Standort auszubauen, das war beim Diakoniewerk Neues Ufer schon lange im Gespräch. Denn mit dieser Idee hatte die gemeinnützige GmbH den Hotelkomplex schon vor einigen Jahren erworben. Dass diese bislang nicht umgesetzt worden ist, liegt auch an der Gebäudestruktur und dem Aufwand für den Umbau. Doch mit zwei Einkaufsmärkten, Arztpraxis und Apotheke, Kindereinrichtung und Grundschule gibt es in Leezen eine gut entwickelte Infrastruktur. „Da passt auch ein Heim für Menschen mit Handicap rein“, ist Tweer überzeugt. Aus seiner Sicht gibt es noch weitere gute Gründe, jetzt in Leezen anzufangen. Denn in insgesamt sieben Häusern in und um Schwerin betreut das Diakoniewerk derzeit 150 Menschen mit Behinderung. „Und in einigen müssen wir dringend etwas tun, um die Wohnverhältnisse und die Lebensqualität zu verbessern.“

Nach dem Umbau sollen in Leezen daher vor allem Personen einziehen, die jetzt in anderen Heimen des Diakoniewerkes leben. „Wir wollen moderne Betreuungsformen bieten“, verrät Thomas Tweer. Das umgebaute Haus wird zwar eine stationäre Betreuungseinrichtung sein. Doch die Bewohner leben in ihrem neuen Heim in separaten Wohnungen oder Wohngruppen zusammen. Den Alltag sollen sie weitestgehend allein meistern. Viele Bewohner werden zudem zur Arbeit in die Ramper Werkstätten fahren – von Leezen aus ist das nur ein Katzensprung.

Nachdem jetzt das Projekt beschlossene Sache ist, geht es an die Feinplanung und so schnell wie möglich an die Umsetzung. Die Pläne sind mit der Gemeinde abgesprochen. Aber auch die Leezener sollen direkt darüber informiert werden. Deshalb werde es demnächst einen Informationsabend geben, kündigt Tweer an.

Dass in dem ehemaligen Hotel Kriegsflüchtlinge und Asylbewerber eine Zuflucht erhalten, war übrigens nie im Gespräch. „Natürlich würde die Aufnahme von Flüchtlingen gut zu uns passen“, betont Thomas Tweer. Doch das Diakoniewerk verfüge derzeit über keine dafür geeigneten, freien Gebäude. Und die nun festgezurrten Umbaupläne für Leezen reiften schon, bevor die jetzige Situation absehbar war.
Werner Mett